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20.03.2021

Prachtstücke aus dem Oranienburger Stadtarchiv: Schloss Friedenthal

Ein Auktionskatalog aus dem Jahr 1933 gibt Auskunft über die prachtvolle Ausstattung des ehemaligen Schlosses Friedenthal. Bevor das herrschaftliche Gebäude dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer fiel, durchlief es eine wechselhafte Geschichte.

Nicht nur Schloss Oranienburg

Das Oranienburger Stadtgebiet beheimatete einst gleich mehrere Schlösser. Neben dem Barockschloss in Oranienburg konnten auch die heutigen Ortsteile Friedrichsthal und die zu Sachsenhausen gehörende Ansiedlung Friedenthal mit herrschaftlichen Prachtbauten aufwarten. Während das Friedrichsthaler Schloss schon 1873 abgerissen wurde, erinnern sich manche älterer Einwohner vielleicht noch an das prachtvolle Friedenthaler Gutshaus, das 1945 einem Bombenangriff zum Opfer fiel. Die kurze Geschichte des Schlosses könnte kaum wechselhafter verlaufen sein. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts befand sich an seinem Standort die Maulbeerplantage Hannenthal, auf der etwa hundert Jahre später der Gutshof Friedenthal errichtet wurde. Der Berliner Bankier Josef Pinkuss ließ den Hof 1890 um ein Gutshaus und einen Landschaftspark erweitern – Schloss Friedental war geboren. Die goldenen Tage des Schlosses sollten jedoch von kurzer Dauer sein. Nur wenige Jahrzehnte später begann mit dem Nationalsozialismus bereits die dunkelste Phase des Anwesens, die geradewegs zu seinem Ende führte. Der letzte private Schlosseigentümer, ein jüdischer Ehrendoktor namens Salomon, wurde 1933 von den Nazis zur Abgabe des Anwesens gezwungen. Sein weiteres Schicksal ist ungewiss.

Vom Gutshof zur Fälscherwerkstatt

Das Inventar des Schlosses, darunter historische Möbelstücke, Porzellan und Ölgemälde bekannter Künstler, wurde daraufhin am 12. September 1933 in einer öffentlichen Auktion versteigert. Digitalisierte Auszüge aus dem Versteigerungskatalog befinden sich im Stadtarchiv und lassen erahnen, was für eine prachtvolle Atmosphäre einst in dem Gebäude geherrscht haben muss. Doch mit dieser war es nun endgültig vorbei. Nach einer kurzzeitigen Nutzung des Schlosses als Schifferschule richtete die Luftwaffe der Wehrmacht im Sommer 1939 eine Flakstellung zur Verteidigung des Luftraumes auf dem Gelände ein. Etwa ein halbes Jahr später wurde das Schloss vom NS-Sicherheitsdienst beschlagnahmt, der hier zunächst eine geheime Geldfälscherwerkstatt zur Herstellung von falschen englischen und amerikanischen Banknoten etablierte. Das Falschgeld sollte zu einem späteren Zeitpunkt gezielt in Umlauf gebracht werden und so die britische und US-amerikanische Währung destabilisieren. Die Fälscherwerkstatt blieb jedoch ein kurzes Kapitel in der Geschichte von Schloss Friedenthal. Sie zog schon bald in das benachbarte KZ Sachsenhausen, wohin die SS gelernte Typographen, Schriftsetzer und Grafiker aus allen deutschen Konzentrationslagern verlegen ließ, die für den erfolgreichen Betrieb der Werkstatt garantieren sollten. Zu ihnen gehörte auch der jüdisch-slowakische Typograph Adolf Burger, der später ein Buch über seine Erfahrungen verfasste („Des Teufels Werkstatt. Die Geldfälscherwerkstatt im KZ Sachsenhausen“, Berlin 1997). Der Roman diente 2007 als Grundlage für den mit dem Oscar prämierten Spielfilm „Die Fälscher“.

Nach dem Auszug der Fälscherwerkstatt nutzte die SS das inzwischen in Tarnfarben gestrichene Schloss Friedenthal als Agenten- und Spionageschule. Dort fand fortan die Ausbildung von  SS-Männern für spezielle Sabotageakte im Ausland sowie deren Planung statt. Leiter der Spezialeinheit war ab 1943 Otto Skorzeny, der auch die Befreiung Benito Mussolinis aus der Gewalt von Partisanen in den italienischen Alpen verantwortete.

Zum Ende des Krieges wurde Schloss Friedenthal durch Bombenangriffe stark beschädigt. Ob die SS die Reste des Gebäudes sprengen ließ, um Spuren zu beseitigen,  oder die Bevölkerung die Ruine nach Kriegsende als Steinbruch nutzte und abtrug, lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei feststellen.