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Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahme Oranienburger Innenstadt

Das heutige Sanierungsgebiet Oranienburg Innenstadt wurde 1991 in das Städtebauförderungsprogramm des Landes Brandenburg aufgenommen, da bereits sehr frühzeitig erkannt wurde, dass die umfassende Entwicklung des Oranienburger Stadtzentrums nicht allein mit Hilfe kommunaler und privater Mittel erfolgen konnte.

Nachdem vorbereitende Untersuchungen eine Vielzahl städtebaulicher Missstände offenlegten und deutlich wurde, dass diese nur in einem größeren städtebaulichen Kontext beseitigt werden können, wurde 1994 die Innenstadt als Sanierungsgebiet förmlich festgelegt. Es besaß zunächst eine Größe von 44 ha und umfasste die westlich der Havel gelegene ehemalige barocke Altstadt sowie die im 18. und 19. Jahrhundert zwischen Havel und Bahnlinie entstandene Mittelstadt, die heute das Stadtzentrum darstellt.

Die Aufgabe der militärischen Nutzung des Schlossareals und die Sanierung dieses wertvollen barocken Baudenkmals im Jahr 1999 eröffneten neue Perspektiven für die alte Mitte der Stadt. Um die notwendigen Konversionsmaßnahmen und die gestalterische Neuordnung dieses wichtigen Bereiches zügig vorantreiben zu können, wurde das Sanierungsgebiet 2006 um das nordwestlich des Schlosses gelegene, ehemalige Kasernengelände erweitert, so dass es heute eine Größe von rd. 73 ha besitzt.

Impuls durch die Landesgartenschau 2009

Ein wesentlicher Entwicklungsimpuls für das Herzstück des Sanierungsgebietes – das Ensemble Schloss – Schlossvorplatz – Schlosspark – ging von der Ausrichtung der Landesgartenschau 2009 aus, die den alten Schlosspark umfasst, aber auch den Schlossplatz und das ehemalige Kasernengelände nordwestlich des Schlosses zum Gegenstand hat.

Stadtsanierung in Oranienburg ist wegen der komplexen städtebaulichen Problemlagen und des hohen baulichen Sanierungs- und Neuordnungsbedarfes eine schwierige Aufgabe, die durch den Einsatz von Städtebauförderungsmitteln ermöglicht bzw. wesentlich unterstützt wurde und weiterhin wird. Die Handlungsfelder sind vielfältig und reichen von der Sanierung einzelner Gebäude, der Neu-und Umgestaltung ganzer Blockbereiche, bodenordnenden Maßnahmen, der Erneuerung von Straßen und Plätzen bis hin zur geordneten Neubebauung zahlreicher Brachflächen und Baulücken.

Erste investive Maßnahmen Ende der 1990er

Nach Jahren der intensiven planerischen Vorbereitung und der Diskussion über die Ziele der städtebaulichen Entwicklung begann Ende der 1990er Jahre die Umsetzung erster investiver Maßnahmen. Wichtiger Meilenstein für die Entwicklung des Stadtzentrums war neben dem städtebaulichen Rahmenplan ein im Jahr 2003 durchgeführtes diskursives Planverfahren, das die Grundlagen für die Wiederherstellung des barocken Stadtgrundrisses westlich der Havel legte.

Neben der Gebäudesanierung wurde von Anfang an großes Augenmerk auf die Neugestaltung der öffentlichen Wege und Plätze als Voraussetzung für eine funktionierende Infrastruktur und die Verbesserung des Ortsbildes gelegt. Dafür konnten sowohl die örtlichen Versorgungsunternehmen als zuverlässige Partner für die notwendige Erneuerung der technischen Infrastruktur gewonnen werden, als auch in Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb für Straßenwesen eine Erneuerung der im Sanierungsgebiet gelegenen zwei Bundesstraßen erfolgen.

Bis 2015 flossen 27 Millionen Euro Fördermittel

Neben Städtebauförderungsmitteln konnten weitere Fördermittel, wie z. B. aus den Programmen Zukunft im Stadtteil (ZIS), Mittel des Bundes für den Ausbau von Bundesstraßen nach dem Verkehrswegegesetz und Mittel der Europäischen Union für das Sanierungsgebiet akquiriert und effektiv gebündelt werden.

Bis 2015 sind allein rd. 27 Mio. Euro aus Städtebauförderungsmitteln in das Sanierungsgebiet geflossen. Nach gegenwärtigem Planungsstand soll die Sanierungsmaßnahme im Jahr 2018 abgeschlossen werden.

Die Sanierungsziele

Übergreifendes Ziel der Sanierung der Oranienburger Innenstadt ist die bauliche, gestalterische, funktionelle und wirtschaftliche Entwicklung des Stadtzentrums zu einem interessanten, lebendigen Ort, der für Bewohner, Gewerbetreibende und Touristen gleichermaßen attraktiv ist.

Urbane Qualitäten wie ein ansprechendes Wohnumfeld, Freizeitangebote und eine gute Infrastrukturausstattung werden für die Zukunftsfähigkeit einer Gemeinde im regionalen Kontext zunehmend an Bedeutung gewinnen. Daher ist auch für Oranienburg eine komplexe Innenstadtentwicklung, die sich nicht nur auf Stadtreparatur beschränkt, sondern auch die Beseitigung von Funktions- und gestalterischen Schwächen zum Ziel hat, unabdingbar.

Die städtebauliche Sanierung verfolgt im Einzelnen folgende Leitziele:

  1. Erhaltung bzw. Wiederherstellung der historischen Stadtstruktur, insbesondere des barocken Altstadtgrundrisses
  2. Schließung von Baulücken und Stadtquartieren sowie Wiederbebauung von Brachflächen auf Grundlage der historischen Parzellenstrukturen
  3. Modernisierung und Instandsetzung des Gebäudebestandes unter Beachtung denkmal- und stadtbildpflegerischer Belange sowie der Anforderungen an einen zeitgemäßen Wohnungsstandard
  4. Erhaltung bzw. Wiederherstellung der historischen Gestaltqualitäten der öffentlichen Straßen und Plätze unter Berücksichtigung zeitgemäßer funktioneller Belange, der historischen Proportionen sowie der Oberflächenbeläge mit dem Ziel einer hohen Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raumes
  5. Minderung der Verkehrsbelastungen durch verkehrslenkende und –vermeidende Maßnahmen, Geschwindigkeitsbegrenzungen, bauliche Maßnahmen zur Lärmminderung und Verkehrsberuhigung, Stärkung des Fahrradverkehrs, P + R-Angeboten sowie die Stärkung des ÖPNV
  6. Bereitstellung eines ausreichenden, aber stadtbildverträglichen Angebotes an innerstädtischen PKW-Stellplätzen für Anwohner und Besucher
  7. Sicherung, Aufwertung bzw. Wiederherstellung naturräumlicher und landschaftlicher Qualitäten und Vernetzung der innerstädtischen Freiflächen und Grünräume mit dem angrenzenden Landschaftsraum
  8. Erhaltung der Funktionsmischung von Wohnen, Dienstleistungs- und Gewerbebetrieben und Erhöhung des Arbeitsplatzangebotes in der Innenstadt
  9. Erhaltung und Qualifizierung der bestehenden Einrichtungen der sozialen Infrastruktur

Zur Erreichung der Sanierungsziele innerhalb des förmlich festgelegten Sanierungsgebietes wurde ein detailliertes Maßnahmenkonzept erarbeitet und durch die Stadtvertretung beschlossen.

Die Finanzierung der Sanierung erfolgt auf Grundlage der Förderrichtlinien des Landes Brandenburg aus Städtebauförderungsmitteln, die durch Eigenmittel der Stadt Oranienburg sowie privates Engagement ergänzt werden müssen. Darüber hinaus werden für einzelne Maßnahmen weitere Fördermittel des Landes, des Bundes oder der Europäischen Union eingesetzt

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