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Klimaresiliente Grünräume

Ausgangslage

Die Auswirkungen des Klimawandels führen zunehmend zu heißeren und vor allem trockeneren Sommern sowie der Folge mehrerer trockener Jahre (insbesondere die Jahre 2018 und 2019) hintereinander. Die Folge sind auf den Grün- und Freiflächen zu erkennen. Viele Flächen weisen dann Dürreschäden auf. Dabei sind insbesondere gemähten Rasenflächen aber auch Bäume, Sträucher und Heckenpflanzungen vom Wassermangel gezeichnet. Der Rasen ist zu großen Teilen vertrocknet und weist dann stellenweise erhebliche Vegetationslücken auf. Im Rahmen der Erstellung des Energetischen Quartierskonzepts für das Quartier Weiße Stadt / Walther-Bothe-Straße wurde das Quartier beispielhaft auf Dürreschäden untersucht. Festgestellt wurden Dürreschäden insbesondere bei Birken, Baum- und Heckenneupflanzungen sowie bei Pflanzungen auf erhöhten Erdwällen. Neben Schäden an der Vegetation belasten höhere Temperaturen im Sommer vor allem ältere Menschen. Der Klimawandel führt aber auch zu vermehrten Starkregenereignissen, die zu örtlich begrenzten Überschwemmungen von Straßen und Kellern führen. 

Die nachfolgenden Beispiele zu Trockenschäden stammen aus dem Energetischen Quartierskonzept Weiße Stadt / Walther-Bothe-Straße.

Abbildungen aus dem Energetischen Quartierskonzept Weiße Stadt / Walther-Bothe-Straße (Bildreihe 1)
Abbildungen aus dem Energetischen Quartierskonzept Weiße Stadt / Walther-Bothe-Straße (Bildreihe 1)
Abbildungen aus dem Energetischen Quartierskonzept Weiße Stadt / Walther-Bothe-Straße (Bildreihe 2)
Abbildungen aus dem Energetischen Quartierskonzept Weiße Stadt / Walther-Bothe-Straße (Bildreihe 2)

Warum klimaresiliente Grün- und Freiflächen wichtig sind

Um die oben beschriebenen Folgen des Klimawandels abzufedern, müssen die Grün- und Freiflächen zukünftig so gestaltet werden, dass sie widerstandsfähiger (resilienter) gegenüber Dürrephasen sind einen Beitrag zur Aufnahme und Zwischenspeicherung von starken Niederschlägen leisten. Diese Neu- bzw. Umgestaltung der Grün- und Freiflächen bietet aber auch die Chance, gleichzeitig die Aufenthaltsqualität und die Biodiversität im Quartier zu erhöhen.

Die Anpassung an den Klimawandel geschieht natürlich nicht über Nacht. Gefragt ist ein dauerhaftes Engagement aller Akteure im Quartier: Verwaltung, Anwohner, Geschäftsleute, Wohnungseigentümer und andere. Ein wichtiger erster Schritt ist die Notwendigkeit in den Köpfen der handelnden Akteure zu verankern und Hilfestellungen geben. Auf diesen Seiten sollen beispielhaft Maßnahmen vorgestellt werden.

Dazu gehören:

  • Grüne Wiesen
  • Klimaresiliente Bäume
  • Das Anlegen urbaner Gärten
  • Klimaresiliente Begegnungsorte

 

Wilde Wiesen

Es gibt zahlreiche gute Gründe, die für das Anlegen einer Wildwiese sprechen: So ist eine blühende Wiese nicht nur optisch ein schöner Anblick, sie ist auch resilienter gegenüber Trockenheit und bietet außerdem zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum, der im urbanen Raum kaum zu finden ist. 

Wilde Wiesen können auf verschiedenen Wegen entstehen:

  • Rasenflächen, die bisher häufig gemäht wurden, werden nur noch ein bis zwei Mal im Jahr geschnitten. So entwickelt sich im Lauf der Zeit von ganz alleine eine artenreiche Wiese. Dabei setzen sich manche Arten besser durch als andere, so sehen die Fläche jedes Jahr ein wenig anders aus.
  • Auch durch gezielte Initialanpflanzung heimischer Stauden in vorhandene Rasenflächen kann eine artenreiche Wiese angelegt werden, die zukünftig ebenfalls nur noch maximal zweimal im Jahr gemäht wird.
  • Die dritte Möglichkeit ist eine komplette Neu-Ansaat von Flächen. Dafür muss jedoch der vorhandene Bewuchs beseitigt werden, um den Boden für die Ansaat vorzubereiten. Förderlich für die Entwicklung der Arten kann bei Bedarf das sogenannte „Abmagern“ des Bodens durch Zugabe von Sand vor der Aussaat sein. Viele der vom Artenrückgang besonders betroffenen Wildbienenarten sind Spezialisten und auf bestimmte, heimische Wildpflanzen angewiesen. Bei der Neuanlage einer Wiese muss auf heimisches Saatgut geachtet werden. Diese Wiesen sind zwar nicht so bunt, bieten aber unseren heimischen Insekten und Vögeln Nahrung und Lebensraum.

Für die Pflege von grünen Wiesen gilt:

  • Die Flächen sollten maximal zweimal im Jahr gemäht und auf keinen Fall gedüngt werden, damit die Blumen und Kräuter Zeit haben, Samen zu bilden und sich so dauerhaft zu etablieren.
  • Lässt man die Wiese oder einen Teil davon über den Winter stehen und schneidet sie erst im Frühjahr zurück, können Insekten in den hohlen Stängeln überwintern. 
  • Erfahrungen zeigen, dass zunächst acht bis zehn Wochen nach der Einsaat ein Pflegeschnitt erforderlich wird, um die Entwicklung langsam wachsender Arten zu fördern. Ob noch weitere Pflegeschnitte notwendig sind, hängt davon ab, wie viele unerwünschte Arten zum Vorschein kommen, deren Samen oder Pflanzenteile noch im Boden vorhanden waren. Diese könnten für zusätzliche Arbeit sorgen. Besonders hartnäckige Arten sind möglichst frühzeitig auszustechen und samt Wurzeln zu entfernen.
  • Die Randbereiche der Straßen/Wege sollten auch weiterhin regelmäßig geschnitten werden, um diese von Bewuchs freizuhalten. 
  • Die Entwicklung einer Wilden Wiese braucht Zeit. Bis sich eine stabile Pflanzengemeinschaft eingestellt hat, dauert es mehrere Jahre. 

So entsteht im Laufe der Zeit eine wilde Wiese, die sich vom Frühjahr bis in den Herbst mit ihren unterschiedlichen Blüten- und Fruchtständen ständig wandelt. Es ist wichtig zu wissen, dass auch die verblühte Blumenwiese den Insekten, Amphibien und Kleintieren als Lebensraum dient. Die abgestorbenen Pflanzenteile sind Überwinterungsquartier und Deckung. Die gebildeten Samen dienen als Nahrungsquelle für Vögel. Mäht man eine Wiese einmal komplett ab, verschwinden die vorgenannten Lebens- und Schutzräume. 

Damit die Anwohner informiert und insbesondere auch die Kinder, für das Thema „Wilde Wiese“ sensibilisiert werden, bietet es sich an Informationstafeln aufzustellen.

In Oranienburg wurden im Quartier Weiße Stadt / Walther-Bothe-Straße Wilde Wiesen auf städtischen Flächen angelegt. Auch Sie können in Ihrem Garten Wilde Wiesen anlegen. Sprechen Sie auch Ihre Vermieter an, wo auf den Grünflächen weitere Wilde Wiesen angelegt werden können. Viele Hauseigentümer haben selbst nicht die Kapazitäten Wilde Wiesen anzulegen und zu pflegen, unterstützen ihre Mieter aber bei der Umsetzung z.B. durch Bereitstellung von Saatgut, Gartengeräten und bei sonstigen Anschaffungen.

Am Bürgerzentrum entsteht eine wilde Wiese
Am Bürgerzentrum entsteht eine wilde Wiese

Am Bürgerzentrum entsteht eine wilde Wiese

 

Urbane Gärten - gemeinsam gepflegt, von allen geschätzt

Urbane Gärten sind Orte, an denen gemeinsames Gärtnern, nachbarschaftlicher Austausch und klimafreundliche Gestaltung aufeinandertreffen. Sie bringen Menschen zusammen, stärken das Quartiersgefühl und bieten gleichzeitig wertvolle Lern- und Naturerfahrungen. Gleichzeitig verbessern sie den Wasserhaushalt durch wassersensible Bewirtschaftung, fördern heimische Pflanzenarten und Insekten, schaffen Schatten und Kühlung im Sommer und bieten Raum für Begegnung und gemeinschaftliches Handeln. Sie sind damit ein einfacher, aber wirkungsvoller Baustein einer klimaresilienten Stadtentwicklung.

Urbane Gärten können bereits mit kleinen Elementen starten: Hochbeete, Pflanzkübel, Sitzbänke, Obststräucher und Kräuterbeete. Ein Gerätelager oder eine Regentonne zur Nutzung von Niederschlagswasser erleichtern die Pflege. Wichtig ist ein einheitliches, robustes und leicht verständliches Gestaltungskonzept, das auch von Anwohnenden intuitiv genutzt werden kann. Bei der Planung gilt: Gemeinschaftsgärten werden nicht nur für die Menschen geplant – sondern mit ihnen.

  • Interessierte Nachbarschaften, Vereine oder Schulklassen werden frühzeitig eingebunden.
  • Wer sich beteiligt, entscheidet mit über Bepflanzung, Gestaltung und Pflege.
  • Patenschaften (für Beete, Obstbäume oder Kompoststellen) schaffen Verbindlichkeit und stärken das Verantwortungsgefühl.

Ein gutes Beispiel gibt es bereits in Oranienburg. Das „Paradiesgärtchen“ der OWG im Innenhof der Wohnanlage Emil-Polesky-Straße / Walther-Bothe-Straße zeigt, wie gut gemeinschaftlich gepflegte Gärten funktionieren können.

Fotos: Paradiesgärtchen der OWG

 

Ob Mieterinnen und Mieter, Eigentümer oder Gewerbetreibende – jeder kann sich beteiligen:

  • durch aktive Mithilfe beim Bau und der Bepflanzung,
  • durch die Pflege eines Beetes,
  • durch das Spenden von Pflanzen oder Material.

 

Nachfolgend werden einige Formen von urbanen Gärten dargestellt.

Quelle der Abbildungen: BERLIN GÄRTNERT - Das Berliner Gemeinschaftsgarten-Programm, SenMVKU Berlin / bgmr Landschaftsarchitekten (Die Originalpublikation enthält Abbildungen zu 12 Kategorien) 

Weitere praxisorientierte Informationen finden Sie unter: www.urbane-gaerten.de 

  

Klimafeste Stadtbäume

Stadtbäume prägen das Ortsbild, spenden Schatten, kühlen ihre Umgebung und verbessern die Luftqualität. Doch viele der heute verbreiteten Baumarten leiden unter Trockenheit, Hitze und veränderten Niederschlagsmustern. Um auch künftig ein gesundes und leistungsfähiges Stadtgrün zu erhalten, braucht es klimaresiliente Baumarten, verbesserte Pflanzstandorte und ein angepasstes Bewässerungsmanagement. Die heißen und trockenen Sommer der vergangenen Jahre haben gezeigt: Viele herkömmliche Stadtbäume erreichen ihre Belastungsgrenzen. Trockenstress, Blattfall, Pilzbefall oder Absterben einzelner Kronenteile sind häufig sichtbare Hinweise.

Klimafeste Bäume …

  • vertragen Hitze, Trockenheit und Starkregen besser,
  • benötigen weniger Bewässerung,
  • entwickeln stabile, langlebige Kronen,
  • fördern Insekten und Vögel, wenn sie heimischen Arten entsprechen.

Nicht nur die Baumart entscheidet über die Klimafestigkeit, sondern vor allem auch der Standort. Zu achten ist daher auf: 

  • großvolumige Baumgruben (mindestens 36 m³),
  • entsiegelte oder begrünte Baumscheiben,
  • insektenfreundliche Unterpflanzungen,
  • Schutz vor Bodenverdichtung (Poller, Pfähle, Abgrenzungen),
  • Regenwassernutzung durch Wassersäcke oder Muldenversickerung.

Doch nicht nur Bäume sind von Hitzestress betroffen, sondern die gesamte Vegetation. Daher sollte bei Neu- und Ersatzpflanzungen besonders viel Wert auf deren Klimafestigkeit gelegt werden. Unter dem folgenden Link erhalten Sie eine » Übersichtstabelle mit klimafester Vegetation. Wichtig ist, die Tabelle „lebt“. Mit dem sich wandelnden Klima, werden neue Erfahrungen gemacht, welche Arten an heimischen Standorten klimafest sind und welche nicht.

Die Pflanzung klimaresilienter Bäume ist ein Gemeinschaftsprojekt Stadtverwaltung, Wohnungsunternehmen, private Eigentümer und Gartenbesitzer können gemeinsam einen sichtbaren Beitrag zur Klimaanpassung leisten.

 

Klimaresiliente Begegnungsorte

Begegnungsorte sind mehr als Grünflächen: Sie sind Schattenplätze, Erholungsräume, Treffpunkte und Rückzugsorte, gerade in dicht bebauten Bereichen. Klimaresiliente Begegnungsorte sind ein neuer Typ Stadtgrün, der Naturnähe, Klimaanpassung und soziale Nutzung miteinander verbindet.

Ein Beispiel dafür ist der sogenannte PikoPark, ein naturnaher Mini-Park mit hohem ökologischen Mehrwert auf vergleichsweise kleiner Fläche. Was einen klimaresilienten Begegnungsort ausmacht:

  • mindestens 80 % unversiegelte Fläche
  • angepasste Bepflanzung aus heimischen und trockenheitsverträglichen Stauden, Gräsern und Gehölzen
  • schattige Treffpunkte mit Bänken, Baumstämmen oder Holzdecks
  • biodiversitätsfördernde Strukturen wie Totholz, Trockenmauern, Natursteinhaufen, Sandlinsen, Feuchtstellen
  • barrierefreie Zugänge und offene Nutzung ohne Schließzeiten
  • insektenfreundliche Beleuchtung, wenn Licht erforderlich ist

Die Flächen sollen sich im Jahresverlauf verändern und sowohl für Menschen als auch für Tiere wertvolle Lebensräume bieten.
Warum solche Orte für das Quartier wichtig sind

  • Sie kühlen ihre Umgebung deutlich ab (insbesondere durch Beschattung und Verdunstung).
  • Sie bieten Aufenthaltsqualität auch in heißen Sommern.
  • Sie stärken die biologische Vielfalt.
  • Sie fördern soziale Kontakte und nachbarschaftliches Engagement.
  • Sie verbessern den Wasserhaushalt durch Mulden oder Versickerungsflächen.

Damit erfüllen sie wichtige Funktionen innerhalb einer klimaangepassten Stadtentwicklung – im kleinsten Maßstab, aber mit großer Wirkung.

Ein besonderer Ansatz klimaresilienter Begegnungsorte ist, dass sie nicht fertig geplant werden. Stattdessen entsteht die Fläche gemeinsam mit den Menschen, die sie später nutzen:

  • Workshops zur Standortfindung
  • Pflanz- und Pflegeaktionen
  • Beteiligung von Mieterinnen und Mietern
  • Nachbarschaftsfeste oder Aktionstage
  • langfristige Pflegepatenschaften

Im Rahmen des Pilotprojekts klimaresiliente Walther-Bothe-Straße ist geplant, einen solchen Begegnungsort (Klimaplatz) vor dem Bürgerzentrum zu schaffen. Insbesondere können aber auch Wohnungsunternehmen hier eine zentrale Rolle spielen, indem sie Flächen bereitstellen und ihre Mieterinnen und Mieter aktiv einbeziehen. Sie können auf den von ihnen verwalteten Flächen maßgeblich dazu beitragen, die städtische Lebens- und Wohnqualität zu verbessern. Insbesondere grüne Einheitsflächen können in blühende und attraktiv gestaltete Außenflächen verwandelt werden und anschließend nach ökologischen Gesichtspunkten gepflegt werden.

Weitere Informationen zum PikoPark finden Sie hier: www.pikopark.de